Gemeinsam erziehen - zum Wohl der Kinder
Beim Pädagogischen Fachtag in der Kita Regenbogenland Altenhaßlau ging es um gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaften zwischen Kita-Team und Eltern
Die Kindertagesstätten des BWMK stellen sich bewusst den Anforderungen einer sich rasant wandelnden Gesellschaft. Unterschiedliche Familienformen, vielfältige kulturelle Hintergründe und veränderte Erwartungen an Bildung und Betreuung verlangen nach klaren pädagogischen Haltungen und tragfähigen Strukturen. Um Kindern ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich sicher fühlen und bestmöglich in ihrer Entwicklung begleitet werden können, setzt das BWMK auf regelmäßige Fach- und Bildungstage für seine pädagogischen Teams.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Pädagogische Tag in der Kita Regenbogenland Altenhaßlau, der sich dem zentralen Thema Bildungs- und Erziehungspartnerschaft widmete. Begleitet wurde der Fachtag von Yvonne Schlapp, Fachberaterin für Kindertagesstätten beim Paritätischen Hessen.
Im Mittelpunkt des Fachtags stand die Frage, wie eine vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern gelingen kann. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Kita und Elternhaus zwei unterschiedliche Systeme mit eigenen Erwartungen, Werten und Kommunikationsmustern sind. Eine gelingende Erziehungspartnerschaft hat das Ziel, diese Systeme miteinander zu verbinden und so zu gestalten, dass sie gemeinsam das Wohl und die Entwicklung der Kinder fördern.
Faktoren für konstruktive Kommunikation mit den Eltern
Inhaltlich setzte sich das Team intensiv mit den Faktoren auseinander, die Kommunikation mit Eltern gelingen oder scheitern lassen. Dabei wurde deutlich, dass psychische Belastungen im pädagogischen Alltag häufig nicht durch einzelne kritische Aussagen entstehen, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Ebenen: der professionellen Rolle der Fachkräfte, den organisatorischen Rahmenbedingungen, der emotionalen und psychischen Ebene sowie der Perspektive der Eltern. Durch gezielte Perspektivwechsel wurde erarbeitet, warum elterliche Kritik oft besonders berührt – und wie sie entpersonalisiert, eingeordnet und konstruktiv bearbeitet werden kann.
„Solche Fachtage sind sehr wichtig, um Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Das ist wertvoll, denn daraus lernen wir sehr viel. Im Betreuungsalltag fehlt oft die Zeit für diese tiefgehenden Gespräche“, berichtet Erzieherin Jennifer Schecke-Victoria.
Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf, pädagogische Arbeit für Eltern transparenter zu machen. Viele Aufgaben im Kita-Alltag bleiben für Außenstehende unsichtbar, obwohl sie zentral für die Bildungs- und Entwicklungsprozesse der Kinder sind. Gemeinsam wurde reflektiert, wie diese „unsichtbare Arbeit“ verständlich kommuniziert und ihr pädagogischer Sinn nachvollziehbar erklärt werden kann.
„Erziehungsarbeit hat unglaublich viele Facetten. Pädagogische Tage wie heute kristallisieren das Wesentliche heraus und erzeugen gemeinsames Verständnis über unsere Kultur und unser Handeln“, erklärt Erzieherin Melina Schneider.
Darüber hinaus beschäftigte sich das Team intensiv mit dem professionellen Umgang mit Kritik, Beschwerden und Verbesserungsvorschlägen. Unterschiede zwischen Information, Kritik und Beschwerde wurden herausgearbeitet, eigene emotionale Auslöser reflektiert und professionelle, wertschätzende Antwortmöglichkeiten entwickelt. Ergänzt wurde dies durch die Auseinandersetzung mit Resilienz und innerer Stabilität: Wie können pädagogische Fachkräfte ihre eigenen Energieressourcen stärken, sich abgrenzen, im Team Rückhalt finden und auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig bleiben?
Ziel: Kinder sollen sich wohlfühlen und bestmöglich entwickeln können
Ein weiterer Themenkomplex widmete sich den eigenen Bildern von Eltern und Familien. Die Fachkräfte reflektierten kulturelle und soziale Perspektiven, setzten sich mit möglichen Wahrnehmungsverzerrungen auseinander und hinterfragten eigene Deutungsmuster. Auch die Frage nach klaren, aber zugleich flexiblen Rahmenbedingungen spielte eine wichtige Rolle: Wo geben Regeln Orientierung, wo sind Ausnahmen sinnvoll – und wie kann dies transparent und wertschätzend kommuniziert werden?
Der Pädagogische Tag machte deutlich, wie wertvoll es ist, den Alltag bewusst zu unterbrechen, gemeinsam hinzuschauen und voneinander zu lernen. Mit solchen Formaten unterstreicht das BWMK seinen Anspruch, pädagogische Qualität kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Davon profitieren nicht nur die Kita-Teams, sondern vor allem die Kinder und ihre Familien – denn eine starke, reflektierte Erziehungspartnerschaft ist eine der wichtigsten Grundlagen für gelingende frühkindliche Bildung“, resümiert Stefanie Eckhardt, Leiterin des Kita-Schul-Verbunds „Steps“ im BWMK.
