Frisches Gemüse? Einmal über die Straße, bitte!
Inklusionsbetrieb Grün&Grün startet Vertical Faming / Innovatives System ermöglicht verlässlichen Gemüse-, Salat- und Kräuteranbau / Bezugsquelle für die neue Zentralküche Kulinarik Main-Kinzig
Manchmal liegen gute Ideen nur wenige Meter voneinander entfernt. So wie in der Baumschulenstraße in Linsengericht-Altenhaßlau. Dort wird am 31. Juli 2026 die neue Zentralküche Kulinarik Main-Kinzig eröffnet. Ab September startet der reguläre Betrieb – und wird schrittweise auf eine Kapazität von 4000 Essen pro Tag hochgefahren. Direkt gegenüber baut der Inklusionsbetrieb Grün&Grün Gemüse, Kräuter und Salate an.
Die Nähe schafft neue Perspektiven, denn beide Unternehmen sind Tochterfirmen des BWMK und verbinden den Dienstleistungsgedanken mit Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen.
Hinzu kommt der Charme des gesamten Konzepts: Kulinarik Main-Kinzig setzt auf Frische und Regionalität. Grün&Grün produziert entsprechende Lebensmittel. Der kürzeste Lieferweg? Ein paar Schritte mit der Schubkarre. Frischer und regionaler lässt sich Versorgung kaum denken.
Die Erntemengen reichen natürlich bei Weitem nicht aus, um den Bedarf für bis zu 4000 Essen am Tag zu decken. Doch bei Grün und Grün entsteht gerade etwas, das neue Dimensionen eröffnet: eine Vertical-Farming-Anlage. In einem 30 Meter langen und acht Meter breiten Folientunnel stehen Regalsysteme des Bremer Herstellers Pflanzentheke. Dort wachsen Salate, Gemüse und Kräuter nicht nebeneinander auf dem Feld, sondern übereinander auf mehreren Ebenen. Die Fläche bleibt gleich, der Ertrag steigt.
Das Prinzip gilt als eine der spannendsten Entwicklungen im modernen Gemüsebau. Weil die Pflanzen gezielt über eine Nährlösung versorgt werden, benötigt das System deutlich weniger Ressourcen. Bis zu 85 Prozent Wasser und Dünger können laut Hersteller im Vergleich zum herkömmlichen Anbau eingespart werden. Gleichzeitig lassen sich verlässlich große Mengen produzieren – unabhängig von Witterungseinflüssen.
Julius Fink, neuer Betriebsleiter bei Grün&Grün, sieht das Vertical Farming als Experimentierfeld mit großem Potenzial. „Eines ist sicher: die neue Anbaumethode erfordert wiederkehrende Arbeitsschritte. Daher können Menschen mit Behinderungen hervorragend in den Prozess eingebunden werden“, erklärt er. Die Auswahl der anbaubaren Pflanzen kann sich sehen lassen: Lollo Rosso, Endivie und weitere Salatsorten gehören ebenso dazu wie Mangold, Grünkohl und anderes Blattgemüse. Hinzu kommen zahlreiche Küchenkräuter von Basilikum über Dill bis Koriander und Schnittlauch. Der Probebetrieb hat im Juli begonnen – es wird sich zeigen, wie viel Regionalität künftig direkt vor der Haustür wachsen kann.
