"Demokratie beginnt dort, wo Menschen mitentscheiden"

Hanaus künftiger Oberbürgermeister Maximilian Bieri besuchte den Werkstattrat des BWMK

Hanaus künftiger Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri (Sechster von rechts) informierte sich über die Arbeit des Werkstattrats des BWMK.

Es begann mit einem Arbeitsplatztausch: Beim Aktionstag „Schichtwechsel“ im vergangenen Jahr tauschte Hanaus künftiger Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri (SPD) seinen Arbeitsplatz mit Manuel Schreiber-Alvarez, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Werkstattrats des BWMK. Nun folgte der nächste Schritt: Bieri besuchte eine Sitzung des Gremiums in der Zentrale des Sozialunternehmens in Gelnhausen, um dessen Arbeit genauer kennenzulernen.

Der Werkstattrat vertritt die Interessen der Mitarbeitenden in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) des BWMK. Insgesamt gibt es acht Betriebsstandorte – vom Hofgut Marjoß im östlichen Main-Kinzig-Kreis, bis zu den Steinheimer Werkstätten in Hanau. Die Mitglieder des Werkstattrats berichteten über ihre Aufgaben und die Themen, mit denen sie sich beschäftigen. Dazu gehören Arbeitszeiten, Urlaub, Entgelt und Verpflegung – Fragen also, die den Alltag der Beschäftigten unmittelbar bestimmen. Der Werkstattrat besitzt dabei konkrete Mitwirkungsrechte und vertritt die Interessen der Menschen mit Behinderung gegenüber der Werkstattleitung. Der Austausch mit Bieri soll fortgesetzt werden.

Der Bürgermeister zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der Aufgaben und betonte: „Demokratie findet nicht nur in Parlamenten oder bei Wahlen statt. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Interessen formulieren, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen beeinflussen können.“

"Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung muss öffentlich sichtbar sein"
Wie ernst diese Aufgabe im BWMK genommen wird, zeigt die Wahl des Werkstattrats im November 2025. Von 1032 Wahlberechtigten gaben 522 ihre Stimme ab. 26 Kandidatinnen und Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. Für die Frauenbeauftragten waren 401 Frauen wahlberechtigt, 208 beteiligten sich.„Damit eine solche Wahl tatsächlich allen offensteht, braucht es Barrierefreiheit und Unterstützung. Informationen werden im BWMK über Aushänge und digitale, barrierefreie Info-Boxen bereitgestellt. Auch bei der Stimmabgabe ist Assistenz möglich“, erläuterte Diana Imkeller, Vertrauensperson des Werkstattrats.
Die Arbeit im Werkstattrat verändert zugleich diejenigen, die sie übernehmen. Markus Zittlau, der Vorsitzende des elfköpfigen Gremiums, berichtet, dass er sich früher nicht getraut habe, vor Menschen zu sprechen. Heute vertritt er die Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen auch auf Landes- und Bundesebene. Politische Themen wie die Reform des Werkstatt-Entgelts gehören zu seinem Engagement.

Manuel Schreiber-Alvarez bringt den Anspruch der Interessenvertretung auf eine einfache Formel: „Zusammen haben wir eine starke Stimme.“ Die Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung müsse öffentlich sichtbar sein, sagt er. Erst dann könne sie als das wahrgenommen werden, was sie sein sollte: ein selbstverständlicher Teil demokratischer Gesellschaft.
Auch die Frauenbeauftragten Susanna Turban und Lena Bastian übernehmen eine wichtige Funktion. Sie setzen sich für Gleichstellung und Selbstbestimmung der Frauen in den Werkstätten ein und sind Ansprechpartnerinnen beim Gewaltschutz. Unterstützt werden die Gremien durch Vertrauenspersonen und Fortbildungen. „Politische Beteiligung  beginnt nicht erst jenseits der Werkstatttür. Sie findet dort statt, wo Menschen lernen, für sich und andere einzustehen“, erklärte Imkeller.  Eine Demokratie lebe davon, dass möglichst viele Menschen erfahren, dass ihre Stimme zählt – und dass sie sie nutzen können.

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