Die Kraft des kritischen Denkens
BWMK-Jahresempfang zum Thema "Mensch-Sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz" / Würdigung für Martin Berg
Jahresempfang des BWMK im Brockenhaus Hanau - das war für rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weit mehr als ein Zusammentreffen im zauberhaften Ambiente der historischen Villa und ihres anmutig dekorierten Gartens. Es war ein Abend voller gedanklicher Impulse - und er machte Mut. Gastredner Ziad Mahayni, Professor für Angewandte Ethik an der Hochschule Karlsruhe, sprach über "Mensch-Sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz."
Begrüßt wurden die Gäste, darunter der Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann (CDU), Vizelandrat Andreas Hofmann (SPD) und Hanaus Stadträtin Claudia Borowski (SPD) durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Werkstatt-Rats, Manuel Schreiber-Alvarez. Als Vertreter der Beschäftigten in den Werkstätten für behinderte Menschen des BWMK verwies er auf das Potenzial moderner Technologien. Sie biete Teilhabe-Chancen für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Allerdings betonter er auch: „Kein Computer ersetzt echte Begegnungen, Respekt oder Menschlichkeit. Teilhabe, Unterstützung und Miteinander entstehen durch Menschen – nicht durch Maschinen.“

Aufsichtsratsvorsitzender würdigt Martin Berg
BWMK-Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Hild würdigte in seiner Rede das Wirken des vormaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Martin Berg, der seine Tätigkeit für das Sozialunternehmen im März beendet hatte. „Der Name Martin Berg wird untrennbar und positiv mit dem BWMK verbunden bleiben.“ Berg sei ein Visionär und Kämpfer, der das BWMK von einem insolvenzbedrohten Sorgenkind zu einer herausragenden Institution der sozialen Teilhabe geführt habe.
Aktuelle Entwicklungen wie die Eröffnung der Kita Sophie-Scholl in Hanau oder der Bau der neuen Zentralküche Kulinarik Main-Kinzig in Linsengericht-Altenhaßlau seien Beispiele für die Innovationskraft des BWMK – immer mit dem Ziel, neue Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen zu schaffen und damit einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erzeugen.
„Wir brauchen regulatorische Leitplanken für KI“
Bemerkenswert war die Stille im Saal des Brockenhauses – mit großer Konzentration lauschten die Gäste den Ausführungen.
Gastredner Ziad Mahayni rief dazu auf, die Deutungshoheit nicht Technokraten und Technologien zu überlassen, sondern die Kunst des kritischen Denkens zu erlernen und anzuwenden. KI sprenge das Reich aller vorstellbarer Möglichkeiten. Um in dieser neuen Welt Mensch zu sein und zu bleiben, brauche es die Vorstellung von einer guten Gesellschaft, ein neues Wertesystem und die bewusste Pflege und Implementierung kritischen Denkens. „Menschen müssen primär lernen, die richtigen und relevanten Fragen zu stellen sowie Ergebnisse kritisch zu hinterfragen“, so Mahayni. Da KI-erzeugte Arbeitsergebnisse kaum noch von solchen aus menschlicher Hand und menschlichem Geist zu unterscheiden seien, bedürfe es einer radikalen Reform der Bildungssysteme. Aber auch Unternehmen bewegten sich in einem Spannungsfeld: „Einerseits gilt es, Künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen – andererseits müssen sie dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden nicht verblöden, weil KI ihnen Lösungen per Knopfdruck serviert.“ Mahayni warb eindringlich für Regulierung, da die „digitale Revolution“ Geist und Körper der Menschen verändere. Bereits jetzt könne man mit Hilfe von KI menschliche Gedanken lesen.
„Wenn durch KI und andere Technologien immer mehr möglich wird, wird die Frage, was davon man umsetzen sollte, zwangsläufig immer bedeutender. Hierfür regulatorische Leitplanken zu setzen und dafür zu sorgen, dass Innovation dem Wohle des Menschen dient, scheint mir einer der wichtigsten Aufgaben von Politik im 21. Jahrhundert zu sein.“
BWMK-Geschäftsführerin Mareike Meister spannte den Bogen zur Teilhabe: Jeder Mensch habe das Recht, aktiver und anerkannter Teil der Gesellschaft zu sein: „Zukunft entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen." Dafür stehe das BWMK und werde auch künftig als verlässlicher Partner für Menschen mit Behinderung Gesellschaft mitgestalten.
